Der Kumulus e.V. macht der Bundesregierung den Vorschlag, das Informationsforum „politik@school“ einzurichten.

Die Idee: Politik geht auf die Jugend zu. Politik geht in die Schule. Schüler stellen Fragen und erhalten Antworten. Jede Klasse einmal im Schuljahr in einer Schulstunde. Langfristig bundesweit. Das Internet ist dabei ein wesentlicher Bestandteil.

Das Ziel dieser Einrichtung ist, Transparenz und Nachvollziehbarkeit für politische Entscheidungen anzubieten.

Unterstellt dem z.B. Bundespresseamt schlägt der Verein ein Pilotprojekt mit 16 Berliner Schulen vor.


Projektkonzept
Politikverdrossenheit der Jugend oder Jugendverdrossenheit der Politik?


Politiker sind meilenweit von den Interessen der Jugendlichen entfernt.
Politiker erscheinen unglaubwürdig und interessengeleitet.
Politiker gehen nicht wirklich das Problem der Massenarbeitslosigkeit an.
Politiker erscheinen vielfach als Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft.
Politiker sind "die da oben" und wir sind "die hier unten".

Dies sind Meinungen und Eindrücke Jugendlicher, die als Ergebnisse in der 12. Jugend Shell-
Studie von 1997 nachzulesen sind.

Sind diese Meinungen und Eindrücke der Jugendlichen berechtigt?

Wo sind die Interessen der Jugendlichen in der Politik vertreten? Wer hört Ihnen zu? Welche Ängste und Bedürfnisse haben sie? Wo können sie Einfluss in den demokratischen Prozess nehmen? Welche Vorstellungen haben Jugendliche über die Lösung gesellschaftlicher Probleme? Wen interessieren diese Vorstellungen?


Wir als Verein, der den Willen von Jüngeren zum Ausdruck bringen soll, nicht nur über gesellschaftspolitische Probleme kritisch zu reflektieren, sondern den Worten mit eigenen Aktionen Taten folgen lässt, wollen einen Dialog zwischen Jugend und Politik herausfordern.

Die Idee ist einfach: Politik geht in die Schule.

Jugendliche stellen Fragen und erhalten Antworten.

Antworten, die nicht immer bequem sein werden, die aber für die Stärkung des demokratischen Bewusstseins in der Jugend unabdingbar sind. Antworten, die mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit für politische Entscheidungen anbieten. Antworten, die einen Dialog entstehen lassen und Jugendliche mobilisieren können.


Unser Vorschlag an alle politisch Verantwortlichen ist ein Pilotprojekt mit 16 Berliner Schulen, an denen exemplarisch das Projekt durchgeführt wird. Die Erfahrungen und Erkenntnisse dieses Pilotprojektes sollen Grundlage eines bundesweiten Aufbaus werden.

Unter Anwendung verschiedener Stundenkonzepte werden Fragen an Politikerinnen und Politiker entwickelt.

Notwendig sind dafür zwei Schulstunden pro Schuljahr, die Mitarbeit der Schulen bzw. Lehrer und vor allem die Bereitschaft der politisch Verantwortlichen.

Spezielle Befragungsmethoden sollen die Wahrnehmung der Politik vor und nach dem Pilotprojekt bewerten und die Berechtigung der Dialogeinrichtung und dessen Ansatz auf den Prüfstand stellen.


Acht ausgebildete Fachkräfte, von Politologen/innen, Soziologen/innen, Publizisten/innen bis hin zu Pädagogen/innen sind für dieses Pilotprojekt notwendig. Dem z.B. Bundespresseamt unterstellt, bilden sie das personelle Fundament der Informationseinrichtung politik@school.

Diese Einrichtung bearbeitet die Fragen der Jugendlichen und gibt diese Fragen zusammen mit möglichen Antworten an die für die Beantwortung Zuständigen der verschiedenen politischen Einrichtungen weiter.

So entsteht eine Art Antwortendatenbank, die ständig aktualisiert und erweitert wird, so dass daraus immer wieder individuell ausgearbeitete Antworten auf die Fragen der Jugendlichen gegeben werden können.


Unsere Erfahrungen zeigten, dass die Fragen der Jugendlichen bestimmte Schwerpunktbereiche haben und sich wiederholen. Für die Dialogeinrichtung bedeutet dies eine organisatorische Erleichterung.

Das allgemeine "Politiker Bla Bla Bla", wie es oftmals von Jugendlichen beschrieben wird, wäre mit der Informationseinrichtung ersetzt durch aussagekräftige Antworten.


Jugendliche sollen über die Hintergründe und Problematiken verschiedener Themenbereiche aufgeklärt werden. Und dies so, dass sie es auch verstehen und nachvollziehen können.

Jugendliche sollen zu einem Dialog herausgefordert werden und nach ihren Vorstellungen über die Lösung gesellschaftlicher Probleme befragt werden. Jugendlichen soll bewusst werden, dass auf ihre Bedürfnisse und Ängste eingegangen wird und das man ihnen zuhört.

Das Internet ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Einrichtung. Dort werden aktuell Hintergründe für politische Themen und Problematiken aufbereitet. Dort sind Chaträume für Jugendliche vorhanden, wo sie diskutieren und kommunizieren können. Dort stehen auch wöchentlich Politiker zu bestimmten Zeiten in Live-Chats für Antworten zur Verfügung.


Wir denken, dass durch die Informationseinrichtung nicht sprunghaft eine politisch und gesellschaftlich engagierte Jugend entsteht. Dies wäre naiv. Diese Entwicklung wird durch weitaus größere Alltagsprobleme, wie beispielsweise Arbeitslosigkeit und damit verbundener fehlender Zukunftsperspektive überlagert, dass laut Shell-Studie als größtes Problem der Jugendlichen wahrgenommen wird.

Wir denken aber, dass diese Einrichtung einen qualitativen Beitrag liefern kann, dass Politik von der Jugend bewusster und transparenter wahrgenommen werden kann und langfristig Vorurteile gegenüber der Politik abgebaut werden können.

Unseren Vorstellungen nach hat das Projekt dann Erfolg, wenn Jugendliche nicht mehr von "die da oben machen ja sowieso was sie wollen", sondern "was die da oben machen ist ziemlich kompliziert" sprechen und dabei ein Problembewusstsein entwickelt haben.


Politikverdrossenheit der Jugend oder Jugendverdrossenheit der Politik ?

Als die Jugendlichen im November mit 2000 Lärchen (larix decidua) ein großes "A" pflanzten, wollte der Kumulus e.V. symbolisch zum Ausdruck bringen dass Jugendliche Antworten auf ihre Fragen erwarten und auf die Distanz zwischen Jugend und Politik hinweisen.

Antworten gab es bis heute nicht.

Als die Jugendlichen am Reichstagsgebäude ihren Fragenkatalog abgeben wollten, war nach langem zögern – nur – der Pförtner bereit, den Katalog entgegenzunehmen.

Wo gibt es die Möglichkeit, dass Jugendliche Fragen an Politikerinnen und Politiker stellen können und Antworten erhalten? Wo gibt es eine Möglichkeit, die Transparenz und Nachvollziehbarkeit für politische Entscheidungen anbietet?

Politikverdrossenheit der Jugend oder Jugendverdrossenheit der Politik ?

Kumulus e.V. Februar 2000